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10 Juni 2012

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Nachdenken über eine Reise

29 September 2008

Vorab möchte ich mich bei allen bedanken, die mir diese Reise ins Baltikum mit der ARBUJAD ermöglicht haben. Insbesondere bedanke ich mich bei meiner Freundin Evi, die leider aus familiären Gründen nicht teilnehmen konnte, mir aber während dieser ganzen Zeit den Rücken freigehalten hat. Meine Nachbarn haben meine Katzen und die Fische gefüttert und meinen Garten gepflegt, meine Arbeitskollegen mußten die Arbeit neu verteilen und hatten eine höhere Arbeitsbelastung. Alle die mich kennen und mich in vielen Dingen tatkräftig unterstützt haben vielen, vielen Dank dafür.

Diese Reise mit der ARBUJAD hat mich kreuz und quer durch das Baltikum getrieben. Von Berlin über Swinemünde, Bornholm, Utklippan, Kalmar, durch Schwedens Schären (Örösund), Stockholm, Mälarenseen, Alandinseln, Helsinki, Lohusala, Ruhnu, Roja, Ventspils, Gotlands Ostküste, Ölands Ostküste, zurück über Utklipan, Bornholm, Swinemünde, Berlin. Das waren natürlich nur die wesentlichen Stationen. Mein Ziel habe ich nun erreicht. Den Menschen und das Schiff in meinem Zeitplan, sprich drei Monaten, unbeschadet in den Heimathafen, Berlin Großes Fenster zurückzubringen. Wie ihr sicherlich gelesen habt, gab es Probleme mit der Maschine. Die Ursache war, daß die Motoraufhängung den starken Vibrationen nicht standgehalten hat. Probleme mit der Welle und dem Getriebe (Schalthebel) waren die Folge. Jetzt ist alles doppelt und dreifach verschweißt und das Schiff zu einhundert Prozent seefähig.

Die ARBUJAD ist ein stabiles, verläßliches Schiff. Es kann sicherlich mehr ertragen als ich mir auf See zu erleben wünsche. Während der ganzen Reise habe ich versucht nie in Stürme hinein zu fahren. Lange Schläge habe ich versucht zu vermeiden natürlich bleibt es bei langen Überfahrten nicht aus, daß Mensch und Material an ihre Grenzen stoßen. Segeln auf See mit einem Folkeboot ist und bleibt „Camping auf See unter erschwerten Bedingungen“. Langeweile ist nie aufgekommen. Ein Folkeboot ist ein kleines seetüchtiges Schiff auf das man sich verlassen kann.

Rückblickend war die Entscheidung gerade diesen Kurs, das Baltikum im Uhrzeigersinn zu bereisen, die perfekte Entscheidung. Ein angenehmer Südwest- Wind trieb mich durch den Sund und durch die Schären. Es war auch im Juni, Juli, August angenehm warm. Man hatte Zeit sich ganz einfach nur von der Natur treiben zu lassen. Auf dem Rückweg von Helsinki (vorherrschende Windrichtung Südwest) mußte man oft auf einen guten Wind warten um wieder in Richtung Südwesten segeln zu können. Ich bin auch froh (kein Visa, keinen Reisepass) die russischen Küste ohne Probleme umschifft zu haben. Das nördliche Baltikum, mit seinen Felsen, Schären und Klippen, war abwechslungsreich und landschaftlich reizvoller.

Den Blog zu pflegen war manchmal nicht ganz unproblematisch. Die skandinavischen Länder haben alle Internet/w-lan,- leider funktionierte es aus den verschiedensten Gründen an manchen Orten nicht. Diese variierten von einer Europalette bis zum Fünf Sterne Hotel um meinen Blog zu pflegen. Ich tat es gerne, auch für mich.

Die Kommentare zu meinem Blog haben mir viel Freude bereitet. Ich möchte mich bei allen, die mich auf diesem Wege bei meiner Reise begleitet haben, bedanken.

Ankunft in Berlin

10 September 2008

Liebe Freunde und Leser des Blogs,

wenn alles nach Plan läuft, werde ich am Samstag den 13.9. wieder in Berlin am Großen Fenster einlaufen. Deshalb möchte ich Euch alle herzlich zum Grillen ab 15.00 Uhr einladen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Essen und Getränke sind bitte selbst mitzubringen.

Adresse und Anfahrtsbeschreibung gibt’s unter www.wag-berlin.de.

Bei Fragen kann man mich auch telefonisch unter 0160/8672915 erreichen.

Ich freue mich auf Euch

Willi

 

                  

Tejn – Rönne (Bornholm)

7 September 2008

Ralf ist aus Berlin in Rönne angekommen. Seine Anreise war „etwas“ beschwerlich. In Berlin, so wie in Sassnitz konnte man ihm im Reisebüro keine Auskunft geben, wann und ob überhaupt Fähren fahren. Der Fährhafen Sassnitz ist nicht mehr in Betrieb. 15km von Sassnitz liegt der neue Fährhafen Makrun mitten in der Pampa. Nach langen hin und her wurde erklärt, daß die nächste Fähre morgen um 11:30 fährt. (Also eine Übernachtung in der Pampa.)Er solle aber besser heute schon eine Fahrkarte kaufen, da nur 400 Schwimmwesten an Bord sind und sie so mit nur entsprechend viele Passagiere mitnehmen können. Na gut, ich also mit dem Bus nach Rönne um Ralf abzuholen. Im Terminal teilte man mit, das heute keine Fähre aus Sassmitz kommt. Es würde eine Fähre nach Nexö fahren. Ich rief Ralf an und fragte, fährt die Fähre nach Rönne oder Nexö? Er sagte, was soll das ich fahre gerade Hafen Rönne ein. Wieder am Terminal, sagte man mir, es kommt keine Fähre aus Sassnitz. Ich zeigte mit dem Finger auf die Fahre – ja, das ist die Fähre aus Sassnitz. Hier weiß die rechte Hand nicht was die linke tut.

Samstag 06.09.2008 geht es nun weiter. Wir wollten erst nach Hasle (Bornholm), sind dann aber doch bis Rönne 18,3sm gesegelt. Zur Fahrt gbt es weiter nichts zu berichten, sind halt 2-3sm an Borholmsküste gesegelt.

           

Utklippan – Tejn (Bornholm)

7 September 2008

Am 31.08.2008 um 23:50 verlasse ich den Hafen von Utklippan. Nach zwei bis drei sm Abstand ging ich auf 210 Grad Richtung Bornholm. Es schien kein Mond und die Nacht ist Sternen klar. Alle Sternenbilder, Milchstraße und viele Sternschnuppen sind bei der klaren Nacht sehr gut zu erkennen. Die Welle steht auf 0,5-1m und ich rausche mit dem zweiten Reff mit 6kn durchs Wasser. Hervorragendes segeln. Beim kreuzen des Bornholmer Fahrwassers nimmt Wind und Welle zu. Sie steht jetzt auf 1,5-2m. Sehr viele große Seeschiffe kreuzen meinen Weg. Der Wind seht jetzt auf 5-6Bf. Die Gischt kommt permanent über. Sicherheitshalber starte ich die Maschine, lege aber keinen Gang ein. Pumpe alle 10min das Schiff leer. Die Selbststeueranlage schafft es bei der ruppigen See nicht mehr. Nicht weiter schlimm, da es besser ist die Wellen selbst auszusteuern. Das klappt auch gut in dunkler Nacht. Nach verlassen des Fahrwassers kam Christiansö (Erbseninsel vor Bornholm) schnell näher. Christiansö quer Ab und die Wellen legten noch eimal zu. Für 30min bis zu 3m. Das Wasser stand teiweise Wadenhoch in der Plicht. Die Sonne ging auf und die Welle ließ etwas nach. Plötzlich schoß die ARBUJAD aus dem Wasser und landete brutal auf seine Steuerbordseite. Wasser kam über und ich war froh eingepiekt zu sein. Dem Schiff macht das nichts aus – ich hatte aber so langsam die Schnautze voll. Schön war, daß das Wasser wesentlich wärmer ist als in der nördlichen Ostsee. Um 10:45 nach 52,4sm in Tejn Hafen angekommen erst einmal alles getrocknet. Die Sonne schien und Mittags war der Spuk vergessen. Wollte eigentlich noch um Bornholm rum laufen (Richtung Südküste) das wäre aber bei dem Wind und Welle Verantwortungslos.

Christiansö werde ich auf dieser Reise nicht besuchen. Ich kenne die schöne, kleine Insel aus vergangenen Seereisen. Der Wind hat wieder auf S-SW 5-6Bf gedreht und ich muß auf Wetter warten. Ralf, mein Freund der Bootsbauer hat sich angemeldet und wird mit mir das Schiff zurück nach Berlin bringen.

                   

Vändburg – Bläsingehamn (Öland Süd)

31 August 2008

Wir kämpfen uns immer weiter an der Ostküste Ölands südlich runter.Haben noch schönen Wind aus NNO, stärke 4-5, See 1,5-2m. Müssen oft das 2te Reff einbinden. Auf der Fahrt ist uns das Achterstag im Masttop gerissen. Haben sofort die Segel geborgen und das Achterstak durch die Dirk ersetzt. Das ist beim Folkeboot recht unproblematisch da die Wanten achterlich stehen und mit dem Vorstag den Mast halten. Zusätzlich wird der Mast auch noch durch die Saling gehalten. Also Segel wieder rauf und mit dem 2ten Reff die insgesamt 60sm weitergebrettert. In Bläsigehamn angekommen haben wir die jetzt fehlende Dirk durch das Blisterfall ersetzt. Die letzten Häfen und der Kommende Hafen haben keinerlei Versorgung und natürlich keinen Mastkran. Unsere kleine Seeschwalbe hat sich so gut entwickelt, dass wir sie an Land bringen konnten und sie undankbar davon flog.

Bläsingehamn – Gräsgard Fiskehamn Dienstag 26.Aug. Weiter zum südlichsten Hafen an Ölands Ostküste – Gräsgard. Heute hatten wir eine nicht so lange Fahrt (22,6sm). Dafür stand draußen eine Welle von 1,5-2m und der Wind hat wieder auf SW gedreht. Wir haben das Groß mit dem 2ten Reff gesetzt und sind mit der Maschine gegen an, so das wir noch gut 4Kn laufen konnten. Natürlich kam die Gischt bei der Welle und Wind 5-6 ab und zu über. Heute hat es mal nicht geregnet. Dafür war es den ganzen Tag bedeckt und diesig. Bei der Bolzerei in der Welle hat sich die Umlenkrolle für die Achterliek-Reffleine aus dem Baum gerissen. Das Schothorn des 2ten Reff kurzerhand am Baumbeschlag (für die Dirk) festgebändselt. Das Segel stand wieder und weiter gings. In Gräsgard angekommen erlebten wir eine böse Überraschung. Heinz stand auf dem Vorschiff und rief: „Das ist flach hier!!“ Laut Hafenhandbuch gibt es eine Wassertiefe von 2m. Das ist auch soweit richtig bis auf das 1m davon Faulschlamm ist, der auch so riecht. Entsprechend haben wir den Dreck mit der ARBUJAD aufgewühlt und um uns herum war schwarze Mumpe. Möchte nicht wissen wie das hier im Sommer stinkt. Trotzdem festgemacht. Einige Fischerboote im Hafen aber keine Segler. Der Hafenmeister „wohnt“ in einer Fischerhütte (ca. max. 15qm) Er sieht sehr verwegen aus, hat nur noch einige Stummel im Mund und ist von der See und dem Wetter gegerbt. Da auch hier die Versorgung wieder 7 km entfernt ist, haben wir kurzerhand beschlossen ihn auf ein Bier und einen Vodka einzuladen. Bier und Vodkaflasche wurden leer, aber das machte sich schnell bezahlt. Haben nun Strom, der kleine Lüfter trocknet unsere Sachen, Henrick bringt uns zum Einkaufen ins Dorf und Heinz morgen früh um 6:30 Uhr zum Schulbus. Kleiner Güllehafen-sehr guter Service. Heinz seine Zeit ist vorbei und er fährt wieder zurück nach Berlin. Ich werde laut Wetterbericht hier wohl noch ein bischen Schlamm schieben und dann weiter nach Utklippan (kleine Insel, siehe Blog-Anfang).

                                       

Rönehamn – Vändburg

31 August 2008

Fägli auf eine Teekiste gesetzt, alle Klamotten immer noch naß und um 8:40 Uhr in den Regen ausgelaufen. Die Welle nahm erst gegen Mittag zu auf 1,5 – 2m. Leider hatten wir mehr Regen als Wind und sind nach 17,7 sm den Kleinen Hafen Vändburg durch viele Flachs an der SO-Küste Gotland angelaufen. Glücklicherweise gab es im Hafen Strom und wir konnten mit unseren super kleinen Lüfter alles trocknen. Ein sehr netter schwedischer Segler kam in den Hafen. Nette Gespräche mit dem Hafenmeister und dem schwedischen Segler machten den Aufenthalt bei schlechtem Wetter angenehm.Fägli lernt fliegen in der Kajüte und scheißt alles voll, toll.

       

Bodvaldevik – Ronehamn

31 August 2008

Wir los 8:45 Uhr total bedeckt, schlechte Sicht und Regen. Also immerwieder die Maschine angeschmissen und in den nicht ganz so romantischen Fischerhafen Ronehamn eingelaufen. Nach schweren Regengüssen war alles nass. Strom gab es auch nicht und es regnete weiter. Eine kleine (See ?) Schwalbe aus dem Holzsteg befreit. 4 Wanzen entfernt, mit Regenwürmern gefüttert, kann noch nicht fliegen, putzt sich kräftig und kann schon ganz schön laut schreien. Fägli wohlauf.

           

Farösund – Bodvaldevik (Kleiner Fischerhafen)

31 August 2008

Am nächsten Tag 9:30 Uhr los, kaum Welle, Windstärke 3 Gotlands Ostküste runtergesegelt in den Kleinen Fischerhafen Botvaldevik. Mit ein wenig Schwung konnten wir einparken da die Wassertiefe für die schwere ARBUJAD knapp ausreichend war. Abens klarte es auf und wir konnten die vorgelagerte Insel, Heinz meinte Südsee Insel, im Abendlicht bestaunen. Im Hafen und näherer Umgebung gibt es keinerlei Versorgungsmöglichkeiten. Mit einem kleinen Tuckerboot wurden am Abend mehrere Schafe von der Schäreninsel geholt und verladen. Sehr ruhig und romantisch.

                           

Ventspils – Farösunds Marina (Gotland)

31 August 2008

Dienstag 19.8.2008, endlich ist es so weit. Der Wetterbericht sagt zwar immer noch für Zentrale Ostsee Sturmwarnung voraus (SW 5-6). Wir wollen trotzdem endlich los und beschließen abens 17:45 auszulaufen. Wir werden die Nacht durchsegeln um morgen nachmittag in Gotland Nord (Farösund) anzukommen.Die Welle steht immer noch mit 2m,wir haben Windstärke 6 und binden das zweite Reff ins Groß. Die Sturmfock haben wir vorsichtshalber auch gesetzt. Gegen 20:00 wechseln wir die Sturmfock und lassen das Zweite Reff stehen. Die Welle nimmt nun langsam ab auf 1,5m, wir rauschen mit 5 Kn dahin. Durch die Nacht segeln wir bei Windstärke 3-4 mit abnehmender Welle. Morgens schläft der Wind ein wenig ein, wir kreuzen das Fahrwasser, gegen Mittag setzt Nebel ein. Wir bergen die Fock und sind heilfroh das Fahrwasser mit vielen Containerschiffen hinter uns gelassen zu haben. Nach 1,5 Std ließ die Suppe nach und wir sind mit Groß und Fock 5 Kn weitergerauscht. In den Sund sind wir nur mit der Fock gefahren, haben um 16:00 Uhr die Fock geborgen und nach 85 sm Farösunds Marina erreicht. Jetzt erst mal schlafen. Am nächsten Tag sind wir mit Fahrrädern über gesetzt nach Farö. Aus langer Vorzeit gibt es aus Korallenbänken entstandene Versteinerungen an der Küste. Skulptur ähnliche Felsen konnten wir bestaunen. Malerische intakte kleine Fischerdörfer kann man hier an der Küste finden. Schon nach 40 Km waren meine Seglerbeine wie Butter. Heinz fuhr Fahrrad wie ein Athlet. Zurück im Hafen haben wir köstliche Lammkotelettes verspeist. Ein wenig Wein und Lättischer Vodka haben auch gemundet. Jetzt seht selbst…