Ruhnu – Roja (Lettland)

Mittwoch 06.08.2008, um 05:00 mal die Nase raus gehalten. Es weht noch heftig. Die Wellen schlagen über die Steine der Hafeneinfahrt. Alle zwei Stunden raus, es soll ja gegen Mittag besser werden. Um 09:00 wurde der Wind schwächer und um 11:00 stand nicht mehr so eine heftige Welle in den Hafen. Im Hafen schon mal das zweite Reff eingebunden und dann los. Alle machten Fotos und wünschten mir viel Glück. Draußen stand noch eine Welle von 1-2,5m , die aber raumschots nehmen konnte. Der Wind ließ in den nächsten Stunden nach, so das ich ausreffen konnte. Leider stand die Welle noch einige Zeit länger. Mit 3-6kn dahin zu rauschen ist doch völlig OK. Vor Roja schlief der Wind nun völlig ein. An der Ansteuerungstonne Roja holte ich die Segel runter und startete die Maschine. Leider mußte ich feststellen, daß wieder einmal ungewohnte Geräusche aus dem Maschinenraum kamen. Die Maschine lief, der Gang war da und ich lief mit gedrosselter Kraft 3kn. Beim Blick in den Maschinenraum ist mir spei übel geworden. Ich nenne ihn mal „Umschaltbolzen“ hatte sich aus dem Getriebe verabschiedet. Maschine konnte also nicht gestoppt werden und der rückwärts Gang ging natürlich auch nicht. Auf stoppen war nur möglich mit Maschine aus.

In den Fischerhafen Roja getrudelt und festgemacht. Nach kurzer Analyse des Problems mußte ich feststellen, daß hier nur ein Mechaniker weiter helfen kann. Also, erst einmal abwarten bis morgen Früh. Hier gab es wieder „sauberes“ Trinkwasser, nicht leicht mit Salzwasser versetzt (aber trinkbar) wie auf Ruhnu. Ein Supermarkt und ein Geldautomat machten mich erst einmal glücklich. Heute Morgen 07:00 erst ein mal über das Werftgelände gestreift. Ich hatte Hoffnung! Überall lagen alte Motoren herum, Tischler, Bootsbauer, Schlosser und viele Handwerker gingen an ihren Arbeitsplatz. In der Halle der Mechaniker fragte ich um Rat. Es kam jemand an Bord, wir haben uns die Explosionszeichnung des Getriebes angeschaut, beratschlagt, und dann ging es los. Ich habe das Teil aus dem Getriebe ausgebaut und die Teile in die Werkstatt gebracht. Nach kurzer Beratung wurde entschieden ein neues Teil anzufertigen. Es musste gedreht, gefräst, gebohrt und geschliffen werden. Dann haben wir das Teil, nach einigen Versuchen wieder einsetzen können und es schaltet wieder- das Getriebe. Der ganze Tag war bewölkt und kleine Regenschauer (17Grad) und doch ein neuer Erfolg. Es kann weiter gehen.

Na so schnell geht es dann wohl doch nicht weiter. Heute ist Freitag, der 08.08.2008. Früh am Morgen Wetterbericht gehört und es wurde Sturmwarnung gemeldet. Jetzt ist es 12:00 Lettische Zeit, der Barometer ist auf 949hp von 110hp in 12h gefallen. Habe Wetterbericht auf DLF gehört, der sagt für die nächsten Tage nichts Gutes voraus. Ruhig bleiben und abwarten ist gut gesagt, nervt aber trotzdem. Ein dicker Baumstamm schwimmt gerade aus der Ronja auf offe Meer zu. Habe Küstenwache informiert, die haben noch nicht mal aus ihrem Schiff geschaut, sich aber freundlich bedankt. Weiter Schiffe auf den Baumstamm hingewiesen, die winkten nur gelangweilt ab. Das interessiert hier niemanden. Für ein kleines Schiff kann das der Untergang sein… Habe etwas außerhalb von Ronja ein Internetkaffee in einem Wohnblock entdeckt. Werde erst ein mal den Blog vervollständigen und dann weiter sehen……

                           

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3 Antworten to “Ruhnu – Roja (Lettland)”

  1. Evi Says:

    Hi Willi,
    wenn ich das Hinterteil von dem im Maschinenraum abgetauchten Handwerker sehe, fällt mir jemand ein, der bei einer anderen Panne gesagt hat: „Ein Bootsbauer sollte 2,50m lange biegsame Arme haben und 30cm kurze Beine….“
    Ich halte Dir die Daumen, daß Du von weiteren Pannen verschont bleibst.
    Wer weiß schon, wie schlimm es noch hätte kommen können, wenn Du Dich rasiert hättest…..
    XXX
    Evi

  2. Hellmut Says:

    Hallo Willi, habe jetzt hoffentlich herausgefunden, wie ich meinen Kommentar loswerde.
    Es hat sich bei mir nun nicht ergeben, daß ich an einer Etappe teinehmen
    kann, das ist einfach per Arbeit nicht zu machen gewesen, wenn ich Deine
    Berichte lese, scheint das aber auch kein Nachteil zu sein. Ganz offen-
    sichtlich hast Du eine gute Zeit. Im Großen und Ganzen scheint Dir die
    Überholung Deines Schiffes gut gelungen zu sein, von kleineren Ausfällen
    mal abgesehen. Irgendwie scheinen sich die Arbujad und ihr Motor nicht
    besonders zu mögen, soweit ich das bisher mitbekommen habe.
    Das Revier, in dem Du Dich auf Deiner Reise bewegst ist erstaunlich gut
    erschlossen für Segler, immerhin gibt es genügend Möglichkeiten auf un-
    freundliche Wetterbedingungen etc. kurzfristig zu reagieren, so daß man
    vermeiden kann, Material und Gesundheit zu riskieren.
    So soll es bleiben, finde ich. Gruß Hellmut

  3. Thomas Sieker Says:

    Hallo Willi,
    „ruhig bleiben und abwarten“ aus deinem Mund klingt ja schon mal nach Fortschritt, jetzt müsstest du dich nur noch mit der Angelegenheit anfreunden statt unterbezahlte Beamten mit deinem läppischen Zahnstocher zu nerven. Wen Scheiße passieren soll passiert sie eben. Heute ist ein Torfkahn auf der Hamme bei Worpswede beim Anlegen gekentert. 15-köpfige Seniorengruppe aus Bad Segeberg zunächst geborgen aber eine alte Dame tot. Gegen den 79-jährigen Skipper wird ermittelt. Und eine völlig überflüssige Bö aus Südwest hat meinen über 2m hohen Oleander vor der Praxis umgenietet. Topf notfallmäßig mit Gaffa getapt. Aber all das kann ich im Gegensatz zu dir natürlich allabendlich mit wem auch immer abkaspern. Sag mal wäre es nicht möglich eine Karte zu fotografieren auf der man dann die Möglichkeit hätte deine Route nachzuvollziehen?
    Bis denne
    Thomas

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